ZUR SCHÖNEN AUSSICHT
von Ödön v. Horváth
mit: Marie-Louise Hauser, Hildegard Schroedter, Dominik Bender, Stephan Korves, Bernhard Leute, Norbert Mahler und Gregor Weber
Regie: Johannes Herrschmann
Bühne: Isolde Wittke
Kostüme: Bettina Brück
Licht: Urs Hildbrand
Regieassistenz: Manuela Kelch
Premiere am 23. September 2000
"Das Ensemble macht die Demaskierung der Dummheit und der unterschwelligen Bösartigkeit zum Genuss. Allen voran Hildegard Schroedters abgetakelte Baronin. Aber auch Dominik Benders schmieriger Strasser und Marie-Louise Hausers anrührende Christine begeistern. Horváths scharfe Gesellschaftsanalyse changiert hier traumwandlerisch zwischen Ernst und Ironie und reizt gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken. Einfach gelungen!"

Ulrike Borowczyk, Berliner Morgenpost, 29. September 2000

"Dekadenz und reaktionäre Phrasendrescherei bilden ein vergnügsames Gemenge, in das sich beinah unbemerkt eine leise, aber sehr lebendige und aufrichtig dargebotene Vision der Zeit um 1925 mischt. Glücklicherweise hat man auf den Versuch verzichtet, das Stück in die Moderne zu versetzen. So behält es seine Ehrlichkeit und wird gerade dadurch zeitlos. "Zur schönen Aussicht" ist eine Komödie, die zum Nachsinnen verführen kann. Ein unterhaltsames Stück deutscher Provinzgeschichte wie gleichzeitig eine feinsinnige Darstellung historischer Lebenswelten. Sehenswert.

Michael Clemens, Anne Mrosko, Eigenart 10/2000

DIE RIESEN VOM BERGE
von Luigi Pirandello
aus dem Italienischen von Elke Wendt-Kummer und Michael Rössner
mit: Eutalia de Carvalho, Sara Kneer, Susanne Peschel, Hildegard Schroedter,
Dominik Bender, Andreas Guglielmetti, Johannes Herrschmann, Bernhard Leute,
Ayo Nelson-Homiah, Heinrich Rolfing und Stefan Wey
Regie: Holger Friedrich
Bühne: Isolde Wittke
Kostüme: Adelheid Wieser
Licht: Urs Hildbrand
Musik: Helmut Oehring
Musikproduktion: Torsten Ottersberg (GOGH s.m.p.)
Regieassistenz: Manuela Kelch
Premiere am 17. Mai 2000
"Holger Friedrich gibt seinen "Riesen vom Berge" durch magic moments, das melancholische Lied der Scricia (Eutalia de Carvalho), die differenzierte Sprachgestaltung, das Spiel der Puppen und die wie aus einer irrealen Ferne an unser Ohr dringende Musik (Helmut Oehring) einen schönen, leichten Rhythmus. Der Regisseur hat das Universum von Luigi Pirandello von innen her zu verstehen versucht und ist dem Pirandellismo - dem abgründigen Wechselspiel von Realität und Fiktion - gefolgt."

Klaus Dermutz, Berliner Zeitung, 22. Mai 2000

"Ich habe Angst", sind die letzten Worte des Grafen. Dann holt uns das Licht zurück in eine Welt, in welcher der David der Fantasie vom Goliath der Gesellschaft nicht zwangsläufig in Grund und Boden gestampft wird. An diesem Abend gab es sogar Beifall, nicht zu knapp."

Meike Matthes, Der Tagesspiegel, 19. Mai 2000

"Der geheimnisvolle Zauber der Räume prägt die Aufführung, die man erst im Treppenhaus, später im alten Festsaal erlebte. Im Zentrum der Inszenierung steht der Zauberer, Heinrich Rolfing gibt ihn als schmerbäuchigen Proleten, der mit seinen akrobatischen Gesellen wortwörtlich Funken versprüht und den Schauspielern zeigt, wie Träume und Phantasien tatsächlich Gestalt annehmen können. Mit fast italienischem Temperament werden die komischen Passagen des Stückes geboten, wobei die Stadthirschen wie gewohnt auf großartige Darsteller zurückgreifen können. Das Ensemble um Dominik Bender als Graf und die effektvolle Inszenierung lassen Pirandellos Text zeitweilig in den Hintergrund treten. Man verlässt die Villa Elisabeth verwirrt und begeistert zugleich."

Uwe Sauerwein, Berliner Morgenpost, 21. Mai 2000

LIEBESGESCHICHTE (letzte Kapitel)
von Jean-Luc Lagarce (DEA)
aus dem Französischen von Uli Menke
mit: Adriana Altaras, Dominik Bender und Johannes Herrschmann
Regie: Michael Neuwirth
Bühne und Kostüme: Isolde Wittke
Licht: Urs Hildbrand
Dramaturgie: Uli Menke
Regieassistenz: Judith Berges
Premiere am 10. März 2000
"Wie im Reagenzglas werden von den Schauspielern Textsplitter verrührt und wieder getrennt, Möglichkeitsvarianten und Bedeutungsverschiebungen, Wunsch-Fantasien und Wirklichkeits-Erinnerungen durchgespielt. Verändert sich eine "Liebesgeschichte" durch das Aufschreiben? Wie kann man das Aufgeschriebene darstellen, wenn das Erinnerte mit dem Text nicht übereinstimmen will? Adriana Altaras, Dominik Bender und Johannes Herrschmann balancieren geschickt mit dem sperrigen Wort- und Gefühlsmaterial. Unmerklich erspielen sie sich immer mehr Freiraum, fliehen sie aus dem aseptischen Textlabor."

Frank Dietschreit, Der Tagesspiegel, 12. März 2000

"Auch wenn man es erst nicht glauben will: jedes Wort, das gesagt wird an diesem Abend, steht auch so geschrieben. Jedes Zögern, jedes Zweifeln, jedes Zurücknehmen, jede Wiederholung, jede Regieanweisung. Ein Text denkt über sich selbst nach, vergewissert sich seiner Worte, entwirft Bilder, Gefühle, Stimmungen und verwirft sie wieder. Ruft Erinnerung ab. Formt aus Erinnerungen Geschichten...Ein Theatertext, gesprochen erstmal, Wort für Wort, erspielt dann nach und nach, und versetzt mit Schweigen, mit mal gespannter, mal ratloser Stille. Das können die Stadthirschen sprechen, spielen, schweigen."

Regine Bruckmann, zitty 7/2000

Angriffe auf Anne
von Martin Crimp
aus dem Englischen von Falk Richter
mit: Maria Gräfe, Ayobamidele Leonhardt, Hildegard Schroedter, Dominik Bender, Johannes Herrschmann und Stephan Samuel
Regie: Rhys Martin
Bühne: Isolde Wittke
Kostüme: Anja Maier
Licht: Urs Hildbrand
Presse-/Öffentlichkeitsarbeit: Annette Barner
Regieassistenz: Manuela Kelch
Premiere: 22. September 1999
"Das prätentiöse aber swingende Dauerinterresse an der abwesenden Anne, die als entfremdender Hypertext die Dutzende von angedeuteten Charaktere wie magisch daran hindert, außer im Slapstick Persönliches auszutauschen, fügt sich zu einem Panorama des (medialen) Voyeurismus. Und Exhibitionismus. Unzählig sind die Gesten und Moden, die über den Laufsteg der Eitelkeiten stolzieren. Hoteldiener in Naziuniform, eine afrikanische Tourismusexpertin, Beduinen mit Spielzeugautos, ein Hirsch, große Jungs mit Lord-Nelson-Hüten die Ideenmaschine versiegt in keiner Sekunde, wobei neben einer peniblen Choreographie die Vielfalt des Textumgangs beeindruckt."

Klemens Vogel, scheinschlag

Meine Freunde
nach dem Roman "Mes Amis" von Emmanuel Bove
aus dem Französischen von Peter Handke
mit: Hildegard Schroedter, Dominik Bender, Arik Hayut,
Dirk Richard Heidinger, Johannes Herrschmann und Heinrich Rolfing
Regie: Erick Aufderheyde
Bühne und Kostüme: Isolde Wittke
Licht: Urs Hildbrand
Musik: Arik Hayut
Regieassistenz: Manuela Kelch
Premiere am 24. Februar 1999
"Bis zu fünf Schauspieler tragen Victor Batons Kopfkrieg auf einer verschachtelten Bühne aus, die Isolde Wittke analog zum diffusen Denken des Anti-Helden arrangiert hat. Sie führen die Gespaltenheit der Figur so variantenreich und witzig vor, daß die Tragödie mehr als einmal in virtuosen Slapstick umschlägt. Nichts ist komischer als das Unglück, weniges nur geglückter als diese fulminante Inszenierung."

Hendrik Werner, Berliner Morgenpost

"Für die Poesie, die Bove seiner kläglichen Existenz abringt, finden sie stille, klare Bilder und die weichen, unaufdringlichen Trommel-Rhythmen des Percussionisten Arik Hayut. "Meine Freunde" ist eine leise, zugleich leichte und deshalb auch lustige Reise durch diverse Zustände der Einsamkeit."

Regine Bruckmann, zitty

"Der wundervolle Text wird nicht zerstückelt, er läuft vielmehr ganz sanft durch fünf Körper hindurch. Eine Inszenierung, die auf der Grenze zwischen Komik und Traurigkeit tänzelt. Nicht einen Augenblick fürchtet man, sie könnte die Balance verlieren."

Tom Heithoff, Der Tagesspiegel

"Ein eindringlicher Abend. Wieder einmal gehen die Stadthirschen gegen den augenblicklich so lauten Theatertrend, und sie tun das durchaus mit Erfolg."

Hartmut Krug, Radio Kultur